Nachrichten vom PMG

Theatertage 2013

 

„Leben sie noch?“ – Klasse 10

 

Sybille Sturm ist die unauffällige, ältere Dame aus unserem Stück „Leben sie noch? Oder erben wir schon?“, die stets von allen übersehen wird.
Nur ihr Tagebuch namens Hugo hat zu jeder Zeit ein offenes Ohr für sie.
Ihm teilt sie alles mit, was sie berührt und beschäftigt.
 

 

Lieber Hugo,                                                                                                                         03.07.2013

 

du glaubst nicht, was in den letzten Wochen alles passiert ist!

 

Es gab so viel Aufregendes zu erleben, dass ich gar nicht weiß, wo ich beginnen soll.

 

Vielleicht am Anfang.

 

Begonnen hat alles damit, dass 28 Schüler im vorletzen Jahr den musisch-künstlerischen Zweig wählten und somit die neue Darstellen-und-Gestalten-Klasse bildeten. Ziel dieses Zweigs sind das Erarbeiten und Aufführen eines eigenen Stückes am Ende des 10. Unterrichtsjahres.Dafür wurde hart gearbeitet und geschuftet und im letzten Schuljahr auch fleißig geprobt. Wir entschieden uns für das Stück „Leben sie noch? Oder erben wir schon?“ – eine unterhaltsame Komödie über Gier, Egoismus und die Bereitschaft zum Töten.

 

Wir verteilten Rollen, kürzten, schrieben um und übten, übten, übten. Ein ganzes Jahr lang. Am 20.06.2013 war es dann endlich so weit. Die lang ersehnte Premiere stand ins Haus. Alle waren furchtbar aufgeregt, aber auch neugierig auf die Reaktionen des Publikums. Pünktlich 19.00 Uhr verwandelte sich die alte Sporthalle dann in ein schickes Landhaus in Bayern und wir schlüpften in die Rollen von verrückten Professorinnen, die Kopf-Ab-Maschinen erfinden, Französinnen, die heißt begehrt sind, oder in die eines Machos, der von seinen „Bunnys“ nicht genug bekommen kann. Und was soll ich sagen, Hugo, die Premiere war ein voller Erfolg!

 

Nachdem die letzte Szene gespielt und das Licht ausgegangen war, fiel allen ein Stein vom Herzen und die Aufregung wich einem unglaublichen Glücksgefühl. Und auch das Publikum war begeistert. Es gab Lob von allen Seiten und auch ein rundum positiver Zeitungsartikel war zu lesen.

 

Da wir, lieber Hugo, eine Doppelbesetzung für die meisten Rollen, hatten, fand einen Tag später sozusagen die zweite Premiere ab. Die Zuschauer schütteten sich aus vor Lachen und wir punkteten wieder durch gutes Schauspiel. Wir alle waren sogar so überzeugend, dass und das Meininger Theater zu den 13. Südthüringer Schultheatertagen einlud. Kannst du dir das vorstellen? Jeder von uns war ganz aus dem Häuschen und wir konnten es gar nicht glauben.

 

Erst, als wir am 30.06. unser Quartier in der Sporthalle der Carlsallee bezogen, wurde es den Meisten bewusst. Und dann ging es auch schon richtig los. Begonnen wurde nach der Begrüßung mit den Workshops.

 

Angeboten wurden beispielsweise ein Technik- und ein Schreibworkshop, aber auch das richtige Schreien konnte man lernen. Die Workshops dauerten fünf Stunden und bereiteten uns sehr viel Spaß. Nach dem Abendessen gab es dann das erste von insgesamt neun Stücken zu sehen. „zwei brüder drei augen“ lautete der Titel und ebenso skurril wie er war auch die Darbietung des Theaterjugendclubs des Meininger Theaters. Die Darsteller überzeugten durch auffallend gutes Schauspiel und sorgten für einen unterhaltsamen Abend. Kleine Verständnislücken konnten durch die anschließenden Paten- und Nachgesprächen auch geklärt werden. Jede Theatergruppe hatte eine sogenannte Patenschule, die durch Lob, Kritik oder Fragen das Gezeigte auswerden konnten. So wurde noch einmal gründlich über das Gesehene nachgedacht und diskutiert.

 

Am nächsten Tag folgten Frühstück, die Darbietung „Charles, Edgar und die Anderen“ des Gymnasiums Georgianum Hildburghausen und dann auch schon unser Auftritt. In den Kammerspielen herrschte eine völlig andere Atmosphäre als in unserer Turnhalle. Wie bei einem richtigen Theater, mein lieber Hugo. Trotz des schlimmen Lampenfiebers, von dem einige unserer Schauspieler geplagt wurden, klappte wieder alles perfekt, wir ernteten eine Menge Applaus und konnten der restlichen Zeit der Theatertage nun entspannt entgegenblicken.

 

Nach dem Abendessen sahen wir „Den Gestiefelten Kater“, gespielt von den Theaternasen des Philipp-Melanchthon Gymnasiums Gerstungen, welche uns mit lustigen Witzen, aber durchaus auch mit einer ernsten Aussage und einwandfreiem schauspielerischen Können viel Freude bereiteten.

 

Wer Lust hatte, konnte sich danach bei der Regatta im Park noch sportlich betätigen und als menschliches Boot den Hindernisparcour überwinden.

 

Kulturell, vor allem aber auch emotional ging es dann am Dienstagvormittag weiter. Die Gruppe der Pestalozzi-Schule Schmalkalden zeigte ein berührendes Musical, „ABBA – Mal anders“. Einige Zuschauer waren sogar zu Tränen gerührt und das Publikum verlangte nach einer Zugabe, die die leidenschaftlichen Darsteller nur zu gerne gaben.

 

Der Auftritt der Pestalozzi-Schüler war gefühlsmäßig auf jeden Fall das Highlight der Theatertage.

 

Ebenfalls musikalisch ging es dann mit der Musical – AG der Regelschule Am Kiliansberg Meiningen weiter. Sie entführten uns mit „Leben im All“ in die Vergangenheit des Weltraums. Von Schwarzen Löchern und Sternschnuppen wurde gesungen.

 

Nach dem Mittagessen folgte „Auf hoher See“ des Dramakurses des Henfling-Gymnasiums Meiningen, ein Stück über Kannibalismus und demokratische Abstimmungen, wie sie nicht sein sollten.

 

Am Abend erwartete uns dann ein sehr ernstes Thema. „Deadline – AIDS in Stage“ lautete der Titel des Stücks, welches uns die Theater-AG des Frobenius-Gymnasiums Hammelburg präsentierte. Die Dialoge waren teilweise sogar selbstgeschrieben und überzeugten durch zahlreiche Informationen zum Thema AIDS.

 

Am Abend und bis in die Nacht wurden dann Karaoke und Disco angeboten.

 

Das war eine Stimmung, Hugo!

 

Es wurde fröhlich mitgegrölt und man spürte kaum noch, dass man eigentlich mit Fremden zusammen war. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit herrschte während der ganzen Theatertage. Es wurden neue Bekanntschaften gemacht, Freundschaften geknüpft und wir fühlten uns wie eine große Familie.

 

Leider aber, lieber Hugo, waren die Theatertage viel zu schnell vorbei.

 

Am Mittwoch, unserem letzten Tag, sahen wir noch das Stück „Ohne Aktenzeichen“ des Gymnasiums Georgian um Hildburghausen. Das vollkommen selbstgeschriebene Stück zeigte des Alltag in unseren Ämtern, wenn ausländerfeindliches Gemüse einen Antrag auf eine Demonstration stellt oder Rotkäppchen ihre Mutter wegen Kinderarbeit anzeigen will.

 

Abgesehen von den gut platzierten Witzen und den überaus gelungen Dialogen begeisterte die Gruppe durch sehr gutes Schauspiel und sorgte noch einmal für viele Lacher.

 

Dann war es aber auch schon so weit:

 

Die Abschlussveranstaltung stand an, auf der zuvor gebastelte Pokale für besondere Leistungen, zum Beispiel für eine auffallend gute Performance, verteilt wurden und der Flashmob, der am Montag erst geprobt und anschließen in der Stadt durchgeführt wurde, noch einmal einen Platz im Programm fand.

 

Mit dem Abschied von neu gewonnen Freunden und der Abreise endeten die Theatertage.

 

Wie soll ich sagen, Hugo, wir verließen das Meininger Theater mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn schließlich freuten wir uns nach den doch etwas zu kurzen Nächten auch auf unser eigenes Bett.

 

Insgesamt, Hugo, waren die letzten Wochen für uns sehr spannend.

 

Wir haben viel erlebt und gesehen und sicher einiges mitgenommen.

 

Bedanken möchten wir uns noch einmal bei Frau Kraus, denn ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.

 

Auf das uns diese Zeit immer in guter Erinnerung bleiben wird.

 

Deine Sybille

von Katja Csuk (Klasse 11/2)

   
© Philipp-Melanchthon-Gymnasium